Was passiert, wenn Sorge sich verändert?
27.04.2026
Am 27. April 2026 um 17.00 Uhr vertieften wir beim Online-Stammtisch des Netzwerks Caring Communities die Frage, wie sorgende Gemeinschaften tragfähig bleiben können, wenn Unterstützungsbedarfe zunehmen und Sorge komplexer wird. Der Stammtisch wurde geleitet von Daniela Händler-Schuster, Vorstandsmitglied des Netzwerks Caring Communities, und Sophie Ledebur, ZHAW.
22 Interessierte waren beim Stammtisch dabei und sind darüber ins Gespräch gekommen, wie Caring Communities, Angehörige, freiwillig Engagierte und Fachpersonen Verantwortung so teilen können, dass auch in fragilen Phasen gute und inklusive Lösungen möglich bleiben.
Anregende Diskussionen beim Stammtisch
Was hilft, wenn Belastungsgrenzen spürbar werden? Wie können Übergänge in zusätzliche professionelle Unterstützung rechtzeitig, respektvoll und ohne Beschämung gestaltet werden? Und wie lassen sich Konflikte möglichst früh erkennen und vermeiden? In der Diskussion kamen verschiedene Überlegungen, Erfahrungen und Praxisbeispiele zu Wort:
- Von Seiten Caring Communities kommen Rückmeldungen, dass es ein Spannungsfeld gibt, wann man Professionelle ins Boot holen und wie man vorgehen soll.
- Die Übergänge von Betreuung zu Pflege können kontinuierlich entstehen oder sich plötzlich zeigen. Wichtig ist eine partizipative Beteiligung der Betroffenen und der Community sowie der frühzeitige Vertrauensaufbau.
- Caring Communities können auch eine Kontaktstelle für die Angehörigen sein, wenn die betreuten Menschen keine Veränderungen wünschen und den Bedarf dafür selbst nicht erkennen. Communities werden vor eine schwierige Situation gestellt, wenn die Angehörigen die Betreuung nicht mehr übernehmen wollen und die Community beiziehen.
- Praxisbeispiele zeigen zudem, dass es für eine Community oft gar nicht möglich ist, nötige Schritte einzuleiten, weil sie keine Berechtigungen und keinen Zugang zu den Institutionen hat.
- In einer schwierigen Zeit hätte sich eine begleitete Alters-Wohngemeinschaft eine Supervision für die Community gewünscht. Als Community wussten sie nicht, an wen sie sich wenden konnten, als es mit dem Bewohner nicht mehr ging. Ein runder Tisch mit externer Unterstützung hätte hier helfen können. Vorbeugend werden sie nun von Beginn an eine Vertrauensperson erfassen, die man in einem solchen Fall zuziehen kann. Eine Möglichkeit, um Konflikten vorzubeugen, ist auch, einen Plan zu erstellen, was man alles können muss, um hier zu wohnen.
- Das Freiwilligennetz Grüningen empfindet als positiv, dass sie eine enge Beziehung zur Spitex sowie zu anderen Organisationen pflegen und Personen aus diesen Organisationen bei ihnen auch mitmachen. So ist das Miteinander von Anfang an mitgedacht, und die Kommunikationswege sind kurz. Am Anfang einer Betreuungsaufgabe steht jeweils das Gespräch mit der Spitex, den Angehörigen und den zu Betreuenden.
- Eine Schwierigkeit ist, dass sich bei älteren Menschen die Selbstwahrnehmung oft stark von der Fremdwahrnehmung unterscheidet. So wird ein Unterstützungsbedarf von der betroffenen Person nicht wahrgenommen. Sie nimmt weder Unterstützung von Professionellen noch von der Community an.
- Personen, die sich an eine externe Person wenden, sind oft bereits am Punkt der Überforderung. Professionelle Personen sollten viel früher beigezogen und als Ressource angesehen werden. Pro Senectute beider Basel macht gute Erfahrungen mit frühzeitiger Beratung von Angehörigen und Betroffenen. Professionelle Unterstützungspersonen können so früher kennengelernt werden, bereits zu einem Zeitpunkt, an dem man noch keinen Bedarf hat. So lässt sich Vertrauen schaffen und Offenheit für eine zukünftige Unterstützung durch Professionelle aufbauen.
- Es ist nach wie vor ein Tabu, dass man plötzlich pflegebedürftig wird. Das Wording und die Art, wie wir Dinge beschreiben, sind dabei relevant (z.B. Gesundheitszentren statt Pflegezentren). Dieses Tabu abzubauen ist schwierig. Das Projekt Wohnschule Düsseldorf versucht dies mit Weiterbildungen für Multiplikator:innnen, die dann neue Caring Communities in ihrer Nachbarschaft aufbauen.
- Gärngschee, ein Besuchsprojekt für einsame Menschen, erlebt zunehmend Angehörige mit hoher Erwartungshaltung. Es werden ein gleicher Service und gleiche Verfügbarkeiten wie bei Professionellen vorausgesetzt. Das können Freiwillige und Communities nicht leisten. Es braucht Kompromisse und ein Miteinander, um eine passende Lösung zu finden.
- Wichtig ist auch eine klare Rollenklärung von Beginn weg: Was kann die Community leisten und wo sind die Grenzen. Und bei Grenzerreichung sofort und klar kommunizieren.
Wir suchen weitere Gastgeber:innen für einen Stammtisch
Der Stammtisch ist ein Format im Netzwerk Caring Communities, das in regelmässigen Abständen stattfindet – in der Regel als Online-Stammtisch. Haben Sie ein Thema, das Sie mit anderen Personen diskutieren möchten? Dann melden Sie sich bei Fanni Dahinden. Wir unterstützen Sie dabei, stellen die Technik sicher und bewerben den Stammtisch. Sie sind Gastgeber:in, alleine, zu zweit oder zu dritt, Sie wählen ein Thema und auch Termin und Zeit. Und vielleicht überlegen Sie sich eine Einstiegsfrage. Die Erfahrung zeigt, dass an einem Stammtisch immer schnell eine Diskussion in Gang kommt. Wir freuen uns auf viele Stammtische, vielfältige Themen und gute Diskussionen.