Praxisbefragung zu den Caring Communities Thesen
Um zu erfahren, welche Bedeutung die Thesen des schweizerischen Netzwerks Caring Communities in der Praxis haben, führten wir Interviews mit neun Schlüsselpersonen aus sechs möglichst unterschiedlichen Schweizer Gemeinden durch.
Die inhaltlichen Akzente waren durch die sieben CC-Thesen vorgegeben. Der Fokus der Befragung richtete sich darauf, wie die Thesen im jeweiligen Kontext umgesetzt werden, welche Relevanz sie für die Praxis haben und wie allfällige Spannungsfelder wahrgenommen werden.
Tenna im Safiental (GR)
Bergtal mit 950 Einwohner:innen
Besonderheit: Spezialisiertes Caring Communities-Pilotprojekt, Hospiz mit starkem Einbezug der Bevölkerung.
Interview mit Othmar F. Arnold, Initiant und Leiter des Tenna Hospizes, und Maya Messmer, Mitglied im Grossen Rat GR und Präsidentin der Landfrauen
Genf (GE)
Kantonshaupfstadt mit 200'000 Einwohner:innen
Besonderheit: hohes ehrenamtliches Engagement, dichte urbane Nachbarschaften, bereits diverse CC-Initiativen.
Interview mit Sandro Cattacin, Professor für Soziologie, Universität Genf, mit langjähriger Erfahrung in der Migrations- und Sozialpolitikforschung
Bellinzona (TI)
Kantonshauptstadt mit 45'000 Einwohner:innen
Besonderheiten: Stadt von mittlerer Grösse, Zentrumsfunktion, starke lokale Verknüpfung von Freiwilligen und Verwaltung.
Interview mit Roberto Mora, Sozialarbeiter, Direktor der Spitex ABAD, Häusliche Pflege und Hilfe in Bellinzona
Belp (BE)
Kleinstadt mit 11'600 Einwohner:innen
Besonderheiten: die «Sorgende Gemeinde Belp» ist eine gemeinsame Initiative verschiedener Trägerorganisationen.
Interview mit René Walker, Leiter der Fachstelle Generationen, Gemeinderat
Zürich-Seebach (ZH)
Quartier der Stadt Zürich mit 27'000 Einwohner:innen
Besonderheiten: hoher Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund, seit einigen Jahren besteht das niedrigschwellige Netzwerk «Care-Kultur Seebach»
Interview mit Linda Gosteli, Marianne Reiser und Martin Piller, Vertreter:innen der Care-Kultur Seebach
Wilchingen (SH)
Gemeinde mit 1'800 Einwohner:innen
Besonderheiten: Landgemeinde, Gemeinderat hat sich zum Ziel gesetzt, die Gemeinschaftsbildung zu fördern.
Interview mit Benjamin Albiez, Pflegeexperte am Universitätsspital Zürich und Gemeinderat mit Ressort Soziales
Die theoretische und empirische Analyse der CC-Thesen wird im Buch von Robert Sempach und Peter Zängl (2026) «Caring Communities – Sehnsuchtsort oder gesellschaftliche Bewegung?» kritisch reflektiert.
Die Interviews werden hier leicht redaktionell überarbeitet wiedergegeben. Sandro Cattacin hat sein Interview selbst bearbeitet, mit Titeln versehen und mit Literaturstellen belegt.